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„Und ich sah Gott …“
In längst vergangenen Zeiten, als meine Sprache zum ersten Mal auf meinen Lippen bebte und ich diese vergängliche Welt mit meinem kaum erstarkten Bewusstsein sehen konnte, stieg ich auf einen heiligen Berg und rief zu Gott: „Herr, mein Gott, ich bin dein Diener. Dein Wille ist mein Gesetz, und dir werde ich bis ans Ende meines Lebens gehorchen.“
Doch Gott gab keine Antwort – nur der Wind pfiff dumpf zwischen den nackten Felsen.
Tausend Jahre später stieg ich erneut auf den heiligen Berg und rief wieder zu Gott: „Schöpfer, ich bin dein Geschöpf. Aus Erde hast du mich nach deinem Ebenbild geformt, und dir verdanke ich alles, was ich besitze.“
Gott gab keine Antwort – nur der Wind pfiff dumpf zwischen den nackten Felsen.
Tausend Jahre später bestieg ich den heiligen Berg und rief wieder zu Gott: „Vater, ich bin dein Sohn. Aus deiner Barmherzigkeit und Liebe hast du mich geboren, und mit Ehrfurcht und Liebe erbe ich dein Reich.“
Gott gab keine Antwort – nur der Wind pfiff dumpf zwischen den nackten Felsen.
Noch einmal tausend Jahre später stieg ich auf den heiligen Berg und rief wieder zu Gott: „Mein Gott, mein Ziel und mein Leben, ich bin dein Gestern, und du bist meinmorgen. Ich bin deine Wurzel in der Erde, und du bist meine Blume im Himmel; wir waren all diese tausend Jahre immer zusammen und haben uns keinen Augenblick unseres Lebens getrennt.
Da näherte sich Gott mir mit einem weiteren Windstoß und flüsterte mir Worte ins Ohr, die ich schon immer gekannt hatte. Er umarmte mich mit seiner unendlichen Gegenwart.
Und ich weinte, während ich auf dem Gipfel des Berges stand, und alles um mich herum erstrahlte in meinem Bewusstsein.
Und als ich vom Berg hinabstieg, war Gott auch dort, wohin ich auch ging.